SOZIOLOGISCHE WISSENSCHAFTSGESCHICHTE AUS DER JENAER PERSPEKTIVE.
Der Dritte Deutsche Soziologietag 1922 in Jena und das Jenaer Soziologietreffen 1934: Schlaglichter auf die Deutsche Soziologie zur Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus.
Ausstellung, Audio-Visuelle Rekonstruktion und Forum
Den Umstand, dass die Friedrich-Schiller-Universität Jena zum dritten Mal Gastgeberin eines nationalen Soziologentages bzw. -treffens ist, möchten wir zum Anlass nehmen, die Geschichte der deutschen (Gesellschaft für) Soziologie im Lichte des Soziologentages von 1922 und des nicht von der DGS autorisierten, gleichwohl von Mitgliedern der DGS organisierten Soziologentreffens 1934 zum Gegenstand des Interesses zu machen. Das Thema des Soziologentages von 1922 war „Das Wesen der Revolution”. Den beiden von Leopold von Wiese und Ludo Moritz Hartmann gehaltenen Vorträgen folgte eine - im Wortlaut dokumentierte - lebhafte Debatte, an der sich unter anderem die Marxisten Max Adler und Carl Grünberg beteiligten.
Das Soziologentreffen 1934 kam auf Initiative des Jenaer Rechtssoziologen Franz Wilhelm Jerusalem und seines Assistenten Reinhard Höhn - späterer Begründer der Lebensgebietsforschung/-berichterstattung des Sicherheitsdienstes der SS - zustande. Von den 17 teilnehmenden Wissenschaftlern waren zwölf Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Die Mehrheit der noch in Deutschland lebenden Soziologen kam jedoch nicht zu dem Treffen, das Vortragsprogramm war allzu eindeutig: verhandelt wurden Themen wie „Soziologie und Rassenforschung” oder „Erziehung durch die Volksordnung”.
Der kommende Soziologiekongress in Jena bietet die Gelegenheit, dieser wechselhaften und in einigen Aspekten noch unaufgearbeiteten Geschichte nachzugehen. Im Zentrum des historischen Programms soll eine 90-minütige audio-visuelle „Rekonstruktion” des Soziologentages 1922 stehen. Über das Soziologentreffen von 1934 wird im Rahmen einer Ausstellung informiert. Am Abend des zweiten Kongresstages ist zudem eine Podiumsdiskussion zur deutschen Soziologiegeschichte im Lichte der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus geplant.
Veranstaltungszeitraum: 07.10.2008 - 09.10.2008