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HISTORISCHES RAHMENPROGRAMM

1922 – 1934 – 2008: Soziologische Wissenschaftsgeschichte aus der Jenaer Perspektive

Der Dritte Deutsche Soziologentag 1922 in Jena und das Jenaer Soziologentreffen
1934: Schlaglichter auf die deutsche Soziologie zur Zeit der Weimarer Republik
und des Nationalsozialismus

Den Umstand, dass die Friedrich-Schiller-Universität Jena zum dritten Mal
Gastgeberin eines nationalen Soziologentages bzw. -treffens ist, möchten wir
zum Anlass nehmen, die Geschichte der deutschen (Gesellschaft für) Soziologie
im Lichte des Soziologentages von 1922 und des nicht von der DGS autorisierten,
gleichwohl von Mitgliedern der DGS organisierten Soziologentreffens 1934 zum
Gegenstand des Interesses zu machen.
Das Thema des dritten Soziologentages der DGS von 1922 war ,Das Wesen der
Revolution’. Den beiden von Leopold von Wiese und Ludo Moritz Hartmann
gehaltenen Hauptvorträgen folgte eine - im Wortlaut dokumentierte - lebhafte
Debatte, in der es insbesondere um die Auseinandersetzung zwischen der vom
Hauptreferenten von Wiese vertretenen Beziehungslehre und einer marxistisch
orientierten Soziologie ging. Das Soziologentreffen 1934 kam auf Initiative des
Jenaer Rechtssoziologen Franz Wilhelm Jerusalem und seines Assistenten Reinhard
Höhn - späterer Begründer der Lebensgebietsforschung/-berichterstattung des
Sicherheitsdienstes der SS - zustande. Von den 17 teilnehmenden
Wissenschaftlern waren zwölf Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für
Soziologie. Die Mehrheit der noch in Deutschland lebenden Soziologen kam jedoch
nicht zu dem Treffen, das Vortragsprogramm war allzu eindeutig: verhandelt
wurden Themen wie ,Soziologie und Rassenforschung’ oder ,Erziehung durch die
Volksordnung’. Die Diskussionen rund um dieses seinerzeit viel beachtete
Treffen sind exemplarisch für die Rolle, die die Soziologie im Allgemeinen und
die DGS im Besonderen im Nationalsozialismus gespielt haben.
Der 34. Soziologiekongress der DGS in Jena bietet die Gelegenheit, dieser
wechselhaften und in vielen Aspekten noch unaufgearbeiteten Geschichte
nachzugehen. Ausgehend von den beiden früheren Jenaer Ereignissen stehen die
wissenschaftsgeschichtliche Einordnung der inhaltlichen Diskussionen der 1920er
Jahre, die Frage nach inhaltlichen, institutionellen und personellen
Kontinuitäten und Brüchen im Übergang von der Weimarer Republik zum
Nationalsozialismus und vom Nationalsozialismus zur Nachkriegssoziologie in Ost
und West sowie die (Nicht-)Aufarbeitung bzw. Rezeption dieser Geschichte nach
1945 im Zentrum des historischen Programms. In Hörsaal 9 wird von Dienstag bis
Donnerstag mehrmals täglich eine 90-minütige audio-visuelle ,Rekonstruktion’
des Soziologentages von 1922 gezeigt, die auf den gekürzten Vorträgen und
Diskussionsbeiträgen des Kongresses sowie umfangreichem Bildmaterial beruht.
Über das Soziologentreffen von 1934, die Entwicklung der (Deutschen
Gesellschaft für) Soziologie im Nationalsozialismus und die Frage der
Aufarbeitung wird im Rahmen einer Ausstellung informiert, die vor dem Hörsaal
zu sehen ist.

Die audio-visuelle ,Rekonstruktion’ des Soziologentages von 1922 wird zu den
folgenden Zeiten gezeigt:

Dienstag - Donnerstag: 11:00 Uhr / 13:00 Uhr / 16:00 Uhr / 18:00 Uhr
Freitag: 10:00 Uhr / 12:00 Uhr



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