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GASTLÄNDER POLEN, TSCHECHIEN, UNGARN

Polen, Ungarn und Tschechien zu Gast auf dem Soziologiekongress in Jena

Fast zwanzig Jahre nach dem Systemumbruch kann der transformationsbedingte soziale Wandel als abgeschlossen gelten. Die ostmitteleuropäischen Gastländer des diesjährigen deutschen Soziologiekongresses Polen, Ungarn und Tschechien gehören schon seit nunmehr vier Jahren zur Europäischen Union und dort zu denjenigen Ländern, die durch ein hohes Wirtschaftswachstum und politische Reformfreudigkeit auffallen. Die Transformation des „Ostens” ist also bei weitem keine nachholende Modernisierung gewesen, sondern eine „doppelte Transformation”, d.h. ein Systemwechsel begleitet von allgemeinem sozialem Wandel (Globalisierung, Tertialisierung, Prekarisierung etc.), deren unsicherheits¬generierenden Folgen denen im Westen stark ähneln. Die unsicheren Zeiten bringen Europa noch näher.

Alle drei Länder sind durch die rasche Öffnung und Westintegration gekennzeichnet und trotz unterschiedlicher Pfadentwicklungen mit ähnlichen Problemlagen wie viele der übrigen EU-Länder konfrontiert: eine geringe Beschäftigungsrate, demographischer Wandel, die Herausforderungen des globalen Wettbewerbs und des transnationalen Kapitalismus, nicht zuletzt auch Phänomene zunehmender sozialer Exklusion.

Die Angleichung west- und osteuropäischer Herausforderungen geht einher mit der Normalisierung der Analyse: Die Soziologie ist seit einiger Zeit damit befasst, den Anschluss der Transformationsforschung an die allgemeine soziologische Theorie zu suchen und deren Beitrag für Theorie- und Konzeptbildung auszuloten. Dies ist auch symptomatisch für die Veranstaltungen auf dem diesjährigen Kongress. Die Plenarveranstaltungen, die Sektionssitzungen und die Ad-hoc-Gruppen zu Mittelosteuropa betten die Analyse der Region in Debatten zur Globalisierung, zur Regionalisierung, zur Europäischen Integration, zu den Spielarten des Kapitalismus ein. Darüber hinaus sind viele Beiträge zu der Region gar nicht mehr in speziellen Veranstaltungen zu finden, sondern in übergreifende Themenstellungen integriert.

Die Soziologie in den Gastländern erfreut sich einer langen Tradition, vor allem in den 30ern des letzten Jahrhunderts boomte das Fach; es überlebte den Staatssozialismus, wenn auch zum Teil im Exil, und verfügt daher heute über eine - leider noch allzu oft verkannte - institutionelle sowie intellektuelle Stärke.

Wir freuen uns daher sehr, prominente Vertreter/innen aus den Ländern begrüßen zu können. Gabriella Ilonszki, Piotr Sztompka und János Mátyás Kovács sind zu Gast im Plenum 4, Julia Szálai hält eine Mittagsvorlesung zu den Perspektiven der Transformationsgesellschaften.  Zudem werden andere bekannte Repräsentanten der Transformationsforschung im Rahmen des Kongresses referieren, so u.a. Helmut Wiesenthal mit einem Vortrag zur Relevanz der Postsozialismus-Forschung für die allgemeine Soziologie.

Jena mit seiner Lage in Ostdeutschland und seiner historischen Verbundenheit mit dem Osten des Kontinents ist der prädestinierte Standort für eine kollektive Auseinandersetzung mit der Phänomenologie sozialen Wandels in den östlichen Nachbarstaaten der Bundesrepublik. Das lokale Organisationsteam wünscht den Gästen einen angenehmen Aufenthalt und allen Teilnehmer/innen angeregte Debatten zur Zukunft eines Europas mit weniger „unsicheren Zeiten”.

Für das Organisationsteam Katharina Bluhm und Vera Trappmann

Julia Szálai (Budapest, Ungarn)
Nach dem Systemumbruch - Perspektiven von Transformationsgesellschaften
Dienstag, 07.10.2008, HS 1, 13:00 Uhr, Mittagsvorlesung

Piotr Sztompka (Krakau, Polen)
The Ambivalence of Post-Communist Transition
Mittwoch, 08.10.2008, HS 2, 9:00 Uhr, Plenum 4

János Mátyás Kovács (Wien, Österreich)
Varietas delectat?. On the Typology of Nascent Capitalisms in Eastern Europe
Mittwoch, 08.10.2008, HS 2, 9:00 Uhr, Plenum 4

Michael Edinger (Jena) / Gagriella Ilonszki (Budapest, Ungarn)
Political Elites in the ‘Great Transformation’ Multiple Patterns of Development or Large-Scale Convergence?
Mittwoch, 08.10.2008, HS 2, 9:00 Uhr, Plenum 4

Dirk Konietzka (Rostock)
Changing Patterns of Entering Working Life in Central and Eastern Europe
Mittwoch, 08.10.2008, HS 2, 9:00 Uhr, Plenum 4

Helmut Wiesenthal (Berlin)
Postsozialistische Transformation - Musterfall für den Umbau der kontinentaleuropäischen Wohlfahrtsstaaten?
Mittwoch, 08.10.2008, Rosensäle, Großer Sitzungssaal, 14:15 Uhr
Ad-hoc-Gruppe „Transformierte Perspektiven - Zur Relevanz der Postsozialismus-Forschung für andere Forschungsstränge”

Katharina Bluhm / Vera Trappmann (Jena)
Nationale Wirtschaftseliten und transnationaler Kapitalismus in Mittelosteuropa
Mittwoch, 08.10.2008, Rosensäle, Großer Sitzungssaal, 14:15 Uhr
Ad-hoc-Gruppe „Transformierte Perspektiven - Zur Relevanz der Postsozialismus-Forschung für andere Forschungsstränge”

Helmut Fehr (Krakau, Polen)
1968 - 1989 : Von der Dissidenz zur demokratischen Opposition. Politischer Generationswechsel in Ostmitteleuropa (Polen, Tschechoslowakei)
Donnerstag, 09.10.2008, SR 206, 14:15 Uhr, Sektion Ost- und Ostmitteleuropa-Soziologie


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